Teurer als im Ausland? Nicht wegen des Zolls.
Dieselbe Flasche kostet im Zürcher Fachhandel oft spürbar mehr als zehn Kilometer über die Grenze. Der Zoll ist dafür nicht der Grund.
Die Frage kommt in fast jedem Gespräch über eine Flasche aus dem Ausland: Warum kostet dieselbe Flasche im Schweizer Regal mehr als in Lyon, München oder Mailand? Die naheliegende Antwort, der Zoll, ist falsch, und die zweitnaheliegende, die Mehrwertsteuer, ist es auch. Beide sind in der Notiz zur Einfuhr durchgerechnet, und beide fallen niedriger aus als man denkt. Die eigentlichen Gründe liegen zwischen der Grenze und dem Regal, nicht an der Grenze selbst.
Das Bundesamt für Statistik stuft die Schweiz im europäischen Vergleich seit Jahren als eines der teuersten Länder ein, über praktisch alle Warengruppen hinweg. Wein ist davon nicht ausgenommen, aber die Gründe sind bei Wein nicht dieselben wie bei Fleisch oder Mietwagen. Wer eine Flasche aus dem Ausland versteht, versteht auch, wo bei einer Sammlung tatsächlich Geld liegen bleibt, und wo nicht.
Der Zoll erklärt die Lücke nicht
Der Schweizer Zoll auf Wein wird nach Bruttogewicht erhoben, nicht nach Herkunft und nicht nach Wert: eine Flasche aus dem Burgund und eine aus dem Piemont zahlen, gleiches Gewicht vorausgesetzt, denselben Ansatz. Es gibt keinen höheren Satz für EU-Wein und keinen tieferen für Wein von ausserhalb. Die Mehrwertsteuer liegt bei 8,1%, deutlich unter den 19 bis 22%, die dieselbe Flasche in Deutschland, Frankreich oder Italien träfe. Mit anderen Worten: an der Grenze selbst wird eine importierte Flasche in der Schweiz eher günstiger behandelt als im Ursprungsland, nicht teurer. Wer die ganze Rechnung sehen will, findet sie in der Notiz zur Einfuhr.
Die Marge zwischen Grenze und Regal
Was danach kommt, erklärt den grössten Teil der Lücke. Konsumentenschützer wie Kassensturz machen wiederholt die Einkaufspreise des Detailhandels für markierte Preisunterschiede bei Markenprodukten verantwortlich, nicht die Mehrwertsteuer. Dazu kommen drei Eigenschaften des Schweizer Markts, die sich gegenseitig verstärken:
- Hohe Lohnkosten entlang der ganzen Kette. Transport, Lagerung und Verkaufspersonal kosten in der Schweiz durchgehend mehr als in den Nachbarländern, und diese Kosten liegen zwischen der Grenze und dem Regal, nicht beim Zoll.
- Ein kleiner, konzentrierter Markt. Wenige grosse Anbieter bedienen ein kleines Land, mit entsprechend weniger Preisdruck als in einem grossen, fragmentierten Markt wie dem deutschen oder französischen.
- Eine kleinteilige, geschützte Landwirtschaft. Für Fleisch und Milchprodukte ist der Schweizer Markt weitgehend abgeschottet; das allgemeine Preisniveau, an dem sich auch der Weinhandel orientiert, liegt entsprechend höher.
Nichts davon hat mit der Flasche selbst zu tun. Es ist die Struktur des Wegs, den sie zwischen Grenze und Regal nimmt, und diese Struktur ist bei einem Markenprodukt wie Wein kaum anders als bei Uhren, Kosmetik oder Elektronik, bei denen derselbe Preisabstand zum Ausland seit Jahren dokumentiert ist.
Ein starker Franken, der nicht ankommt
Seit die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 den Mindestkurs zum Euro aufgab, ist der Franken spürbar stärker geworden. In der Theorie sollte das importierte Waren in Franken günstiger machen. In der Praxis geben Detailhändler einen Wechselkursvorteil selten vollständig an die Regalpreise weiter, ein Effekt, den Ökonomen als unvollständige Weitergabe des Wechselkurses bezeichnen. Das ist auch der Grund, weshalb der Einkaufstourismus über die Grenze seit 2015 ein feste Grösse im Schweizer Konsum ist: Konsumentenschützer nennen ausdrücklich das niedrigere Preisniveau im Ausland, nicht die Mehrwertsteuer, als Hauptmotiv. Für Wein gilt derselbe Mechanismus wie für jedes andere Markenprodukt im Regal.
Schweizer Wein ist eine andere Geschichte
Wer die Frage stellt, meint oft nicht nur importierten Wein, sondern auch Wein aus Schweizer Produktion, und dort liegen die Gründe nochmals anders. Die Rebflächen am Genfersee, im Wallis und am Zürichsee sind steil, klein parzelliert und lassen sich kaum maschinell bearbeiten; ein grosser Teil der Arbeit bleibt Handarbeit, mit entsprechend höheren Arbeitsstunden pro Hektar als in flachen Anbaugebieten. Die Erträge sind niedrig, was der Konzentration zugutekommt, aber auch dem Preis. Und nur ein kleiner Teil der Schweizer Produktion wird überhaupt exportiert, der grösste Teil bleibt im Inland, womit Schweizer Wein auf dem eigenen Markt tatsächlich eine Rarität ist und nicht nur eine teure Gewohnheit.
Das ist eine andere Rechnung als die Marge auf einer importierten Flasche, und sie gehört nicht in denselben Topf. Ein Pétrus oder ein Sassicaia im Zürcher Regal zahlt für Marge und Lohnkosten entlang der Lieferkette. Ein Schweizer Wein aus einer steilen Parzelle am Zürichsee zahlt für die Hand, die ihn gelesen hat. Die Jahrgänge, die dieser Keller führt, etwa 1985 oder 1996, stammen entsprechend fast ausschliesslich aus dem Ausland, nicht aus Schweizer Produktion.
Was das für eine Sammlung bedeutet
All das betrifft den Weg über den Schweizer Fachhandel: Einkauf durch einen Importeur, Lagerung, Marge, Verkaufspersonal, dann das Regal. Für eine Sammlung, die direkt und ohne diesen Weg kommt, gilt die Rechnung nicht in gleicher Weise. Ein Pétrus oder ein Sassicaia 1985, der unverzollt in ein Zolllager geliefert und von dort direkt an den Käufer übergeben wird, durchläuft die Margenkette des Detailhandels gar nicht erst. Was bleibt, ist die Rechnung aus der Notiz zur Einfuhr: Zoll nach Kilo, Mehrwertsteuer von 8,1%, Transport und Versicherung, offen ausgewiesen. Dasselbe gilt in die andere Richtung, beim Verkauf eines Kellers: wer die drei Wege eines Verkaufs kennt, sieht denselben Unterschied zwischen einem Weg mit mehreren Zwischenhändlern und einem direkten.
Bei einer Flasche wie einem Romanée-Conti 1996 ist das kein theoretischer Punkt. Je höher der Wert einer Flasche, desto grösser der absolute Betrag, der in einer mehrstufigen Handelskette an Marge verloren geht, und desto mehr lohnt sich ein Weg, der diese Kette umgeht. Das gilt in beide Richtungen: beim Kauf einer Flasche ebenso wie beim späteren Verkauf, sei es einzeln oder als ganzer Keller.
Was wir tun
Wir kaufen nicht über den Detailhandel und verkaufen nicht an ihn. Jede Flasche kommt entweder direkt aus einem dokumentierten Keller oder wird für einen Verkäufer direkt an einen Käufer vermittelt, ohne die Zwischenstufen, die im Regalpreis stecken. Die Rechnung, die am Ende steht, besteht aus dem, was die Flasche tatsächlich gekostet hat, dem Zoll und der Mehrwertsteuer, nicht aus einer Marge, die sich nicht erklären lässt.
Preise veröffentlichen wir nicht. Für eine bestimmte Flasche schreiben Sie uns, und die Antwort weist jede Position einzeln aus.
Ist der hohe Weinpreis in der Schweiz eine Folge des Zolls?
Nein. Der Zoll wird nach Bruttogewicht erhoben, unabhängig von Herkunft oder Wert, und fällt pro Flasche gering aus. Die Mehrwertsteuer von 8,1% liegt zudem unter den 19 bis 22%, die dieselbe Flasche in Deutschland, Frankreich oder Italien träfe.
Warum ist eine importierte Flasche im Schweizer Fachhandel trotzdem teurer?
Vor allem wegen der Einkaufspreise und Margen im Detailhandel, der hohen Lohnkosten entlang der Lieferkette und eines kleinen, wenig fragmentierten Marktes. Das sind alles Kosten zwischen Grenze und Regal, nicht an der Grenze selbst.
Macht der starke Franken Importweine nicht automatisch günstiger?
In der Theorie ja, in der Praxis nur teilweise: Detailhändler geben einen Wechselkursvorteil selten vollständig an die Regalpreise weiter. Das ist einer der Gründe, weshalb der Einkaufstourismus über die Grenze seit der Frankenaufwertung von 2015 zugenommen hat.
Gilt dieselbe Preislücke auch für einen direkt importierten Keller?
Nicht in gleicher Weise. Eine Flasche, die unverzollt in ein Zolllager geliefert und von dort direkt an den Käufer übergeben wird, durchläuft die Margenkette des Detailhandels nicht. Was bleibt, ist Zoll, Mehrwertsteuer, Transport und Versicherung, offen ausgewiesen.