Bordeaux kaufen heisst zuerst, ein Ufer zu wählen.
Wer «Bordeaux» sagt, meint selten dasselbe wie der Nächste. Das linke Ufer, das rechte Ufer, Graves und Sauternes sind vier verschiedene Antworten auf dieselbe Frage.
«Bordeaux kaufen» klingt nach einer einzigen Entscheidung. Es sind mindestens vier. Das linke Ufer der Gironde, das rechte Ufer, die Hanglagen von Graves und die edelsüsse Ausnahme von Sauternes folgen seit der Klassifikation von 1855 eigenen Regeln, eigenen Rebsorten und eigenen Alterungskurven. Wer nach «Bordeaux» sucht, ohne diese vier zu unterscheiden, vergleicht am Ende Dinge, die sich kaum vergleichen lassen.
Dieser Keller führt alle vier Seiten: Château Latour und Mouton Rothschild vom linken Ufer, Pétrus und Le Pin vom rechten, Haut-Brion und Liber Pater aus Graves, Château d'Yquem aus Sauternes. Was folgt, geht die vier der Reihe nach durch.
Das linke Ufer: Kies, Cabernet, lange Reife
Das linke Ufer der Gironde, der Médoc, liegt auf tiefem Kiesboden, der die Wärme speichert und Cabernet Sauvignon reifen lässt, wo er anderswo grün bliebe. Die Klassifikation von 1855 ordnete die bedeutendsten Güter in fünf Stufen, fast ausschliesslich aus dieser Gegend, und blieb seither mit einer einzigen Änderung in Kraft: 1973 stieg Mouton Rothschild von der zweiten in die erste Stufe auf, die einzige Beförderung in der Geschichte der Liste.
Château Latour in Pauillac steht für die andere Seite des linken Ufers: Kontinuität statt Ereignis. Der Jahrgang 1961 gilt bis heute als einer der grössten Bordeaux-Jahrgänge überhaupt, mit hundert Punkten von den massgeblichen Kritikern. Die Flasche in diesem Keller stammt aus den Family Reserves von Berry Bros. & Rudd, einem der bekanntesten Weinhändler Londons, was die Herkunft lückenlos macht. Die vollständige Kellerliste zu Latour zeigt auch die jüngeren Jahrgänge daneben. Beim linken Ufer zählt die Herkunft oft mehr als beim rechten: die grossen Namen sind seit Jahrzehnten gehandelt, und die Papiere dazu entscheiden, ob eine Flasche glaubwürdig ist.
Das rechte Ufer: Merlot, Pomerol, und kein Schloss in Sicht
Auf der anderen Seite der Gironde, in Pomerol, zählt eine andere Geschichte. Pétrus hat nie ein Schloss besessen, nur elf Hektar blauen Lehm auf einem Plateau, von der Familie Moueix fast ausschliesslich mit Merlot bestockt. Es gibt keine Klassifikation von 1855 für das rechte Ufer, keine Rangliste, die ein Gut festschreibt. Der Ruf entstand allein über den Boden und über Jahrzehnte im Glas, zuletzt belegt am Jahrgang 1954, der mit sehr hohem Füllstand in diesem Keller liegt, nahe am Schulteransatz.
Le Pin, ebenfalls in Pomerol, zeigt dieselbe Logik in kleinerem Massstab: ein Garten von knapp zwei Hektar, 1979 von der Familie Thienpont gekauft, mit einer Produktion, die selten über ein paar hundert Kisten pro Jahr hinausgeht. Diese Knappheit, nicht ein Name auf einem alten Schloss, machte Le Pin zum ersten Kultwein Bordeaux' überhaupt. Der Jahrgang 1982 liegt hier auf Schulterhöhe, aus derselben grossen Ernte wie der Latour oben.
Graves: der älteste Name, und der jüngste
Zwischen den beiden Ufern liegt Graves, benannt nach dem kiesigen Boden, der der Gegend ihren Namen gibt. Haut-Brion ist der älteste der Namen in diesem Keller: in London bereits in den 1660er-Jahren bekannt, und bei der Klassifikation von 1855 das einzige Gut aus Graves, das in die erste Stufe aufgenommen wurde, obwohl die Liste sonst für den Médoc gedacht war. Der Jahrgang 1959 gilt als einer der grössten des Guts und trägt hundert Punkte.
Liber Pater, ebenfalls aus Graves, ist das Gegenteil von Tradition: Loïc Pasquet pflanzte vergessene, vorphylloxerische Rebsorten auf eigenen Wurzeln, in den Dichten des 19. Jahrhunderts, und füllt davon einige hundert Flaschen pro Jahr. Der Jahrgang 2010 liegt hier in der versiegelten Einzelflaschenkiste. Zwischen Haut-Brion 1959 und Liber Pater 2010 liegen 51 Jahre und zwei vollkommen verschiedene Antworten auf dieselbe Frage: was aus Graves-Boden werden kann.
Sauternes: die Ausnahme in der Klassifikation
Die Klassifikation von 1855 kennt eine einzige Ausnahme über alle Stufen hinweg: Château d'Yquem in Sauternes, als einziges Gut zum premier cru supérieur erklärt, eine eigene Stufe über der ersten. Der Wein entsteht aus botrytisierten Trauben, Beere für Beere gelesen, und lebt dadurch ein Jahrhundert und mehr: der Jahrgang 1894 liegt in diesem Keller, abgefüllt, als das Gut noch der Familie Lur-Saluces gehörte. Die Jahresseite zu 1894 zeigt, wie selten ein Jahrgang aus dem 19. Jahrhundert heute noch mit einer Flasche vertreten ist.
Sauternes altert anders als Rotwein von beiden Ufern: Zucker und Säure der Botrytis tragen die Flasche über Jahrzehnte, in denen ein trockener Bordeaux längst getrunken sein müsste. Das macht Yquem zu einem der wenigen Weine, bei denen ein Jahrgang wie 1947 tatsächlich noch das zeigt, wofür er gemacht wurde, nicht nur, was von ihm übrig ist.
Was vor dem Kauf zählt
Welches Ufer, welches Gut und welcher Jahrgang sind die erste Frage. Die zweite, oft wichtigere, ist dieselbe bei jedem der vier Namen in diesem Keller:
- Die Füllhöhe. Bei einer Flasche über fünfzig Jahre alt die wichtigste äussere Evidenz für die Lagergeschichte. Welcher Stand bei welchem Alter normal ist, steht in der Notiz zur Füllhöhe.
- Etikett, Kapsel und Korken. Einzeln geprüft, nicht nur betrachtet. Die Merkmale stehen in der Notiz zum Lesen einer alten Flasche.
- Die Originalkiste, wo es sie gibt. Die stärkste Herkunftsaussage, die eine Flasche haben kann. Mehr dazu in der Notiz zur Originalholzkiste.
Die zehn Fragen vor dem Kauf einer seltenen Flasche gelten bei Bordeaux genauso wie bei jedem anderen grossen Namen. Für eine Lieferung in die Schweiz kommt eine dritte Frage dazu: Zoll nach Gewicht statt nach Wert, wie in der Notiz zur Einfuhr durchgerechnet.
Was wir tun
Jede Flasche aus diesem Keller, ob von der linken Seite der Gironde, von der rechten, aus Graves oder aus Sauternes, wird mit Füllhöhe, Etikett, Kapsel und, wo vorhanden, Originalkiste beschrieben, bevor von einem Preis die Rede ist. Ein Latour 1961 wird genau so beschrieben wie ein Liber Pater 2010, nicht aufgewertet, weil der eine Name älter klingt.
Preise veröffentlichen wir nicht. Für ein bestimmtes Gut oder einen bestimmten Jahrgang schreiben Sie uns, und die Antwort nennt Herkunft und Zustand neben der Antwort auf die Frage.
Was unterscheidet das linke vom rechten Ufer in Bordeaux?
Das linke Ufer der Gironde, der Médoc, baut vor allem auf Kiesboden und Cabernet Sauvignon und wurde 1855 in fünf Stufen klassifiziert. Das rechte Ufer, mit Pomerol und Saint-Émilion, kennt diese Klassifikation nicht, baut mehr auf Merlot und Lehm, und sein Ruf entstand allein über Boden und Jahrzehnte im Glas, nicht über eine Rangliste.
Warum hat Pétrus kein Schloss?
Pétrus besteht aus elf Hektar blauem Lehm auf einem Plateau in Pomerol, ohne Anwesen, das diesen Namen verdient hätte. Der Ruf kommt vom Boden und von der fast ausschliesslichen Verwendung von Merlot, nicht von einem Gebäude.
Warum zählt Château d'Yquem nicht einfach zur ersten Stufe von 1855?
Weil die Klassifikation Yquem als einziges Gut zum premier cru supérieur erklärte, einer eigenen Stufe über der ersten. Der edelsüsse, aus botrytisierten Trauben gewonnene Wein wird seither als Ausnahme der ganzen Liste behandelt.
Worauf kommt es bei einer alten Bordeaux-Flasche neben dem Jahrgang an?
Vor allem auf die Füllhöhe, auf den Zustand von Etikett, Kapsel und Korken, und auf eine versiegelte Originalholzkiste, wo es sie gibt. Diese drei Punkte sagen mehr über eine Flasche aus als das Jahr allein.
Liefert Croian & Hein Bordeaux direkt in die Schweiz?
Ja. Jede Flasche reist versichert und temperaturgeführt, entweder verzollt an Ihre Adresse oder unverzollt auf Ihr Konto im Zolllager, mit der Zollabwicklung bereits vorbereitet.